Workshops für alle – mit klarer Leitkultur

Warum ich meine Workshops nach vielen Gesprächen und intensiver Reflexion neu ausgerichtet habe – und weshalb Respekt, Selbstwirksamkeit und eine gemeinsame Lernkultur in Zukunft das Fundament des WERKLOFT RUHR bilden. 

Wer mich kennt, weiß, dass es die handwerkliche Bildung die mir am am Herzen liegt.

Ich möchte Menschen dabei unterstützen, Neues zu lernen, selbstständig zu werden und zu erleben, wie viel Freude und Selbstvertrauen entstehen können, wenn man etwas mit den eigenen Händen erschafft. Für mich bedeutet Handwerk weit mehr als nur den Umgang mit Werkzeugen oder Maschinen.

Handwerk schafft mehr Selbstwirksamkeit.

Genau deshalb habe ich mich in den vergangenen Monaten intensiv mit einer Frage beschäftigt:

Für wen möchte ich eigentlich Bildung anbieten?

Diese Frage klingt zunächst einfach. Für mich war sie es aufgrund bestimmter Erfahrungen nicht.

 

Zwischen Erfahrung und Vision

In den vergangenen Jahren durfte ich viele wunderbare Workshops begleiten. Ich habe erlebt, wie Menschen teilweise zum ersten Mal mit Werkzeugen gearbeitet haben, sich an neue Techniken herangewagt und am Ende stolz ihr fertiges Werkstück mit nach Hause genommen haben.

Ich habe aber auch Erfahrungen gemacht, die mich beschäftigt haben.

Es gab auch vereinzelt männliche Teilnehmer, die meine Rolle als Kursleitung immer wieder infrage gestellt, Diskussionen eröffnet oder durch ihr Verhalten viel Aufmerksamkeit und Energie gebunden haben. Natürlich habe ich auch mit Frauen schon schwierige Situationen erlebt. Meine persönliche Erfahrung war jedoch, dass bestimmte Verhaltensweisen bei Männern häufiger vorkamen und "das Einnorden" mehr Kraft gekostet haben.

Diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich meine Workshops zeitweise ausschließlich für Frauen angeboten habe.

Damals war das für mich die richtige Entscheidung.

Trotzdem hat mich das Thema nie wirklich losgelassen.

Denn gleichzeitig gab es da immer meine eigentliche Vision:

Ich wünsche mir eine Welt, in der ALLE Menschen Zugang zu handwerklicher Bildung haben.

 

Viele Gespräche – viele Perspektiven

Deshalb habe ich mir die Zeit genommen, meinen Standpunkt zu finden.

Ich habe mit Workshop-Teilnehmerinnen und Workshop-Teilnehmern gesprochen.

Mit Freundinnen und Freunden.

Mit Menschen aus meinem beruflichen Umfeld.

Mit Frauen, die sich als Feministinnen verstehen.

Ich habe aufmerksam zugehört, unterschiedliche Meinungen ernst genommen und meine eigene Haltung immer wieder hinterfragt.

Mir war wichtig, keine schnelle Entscheidung zu treffen, sondern eine, hinter der ich ehrlich stehen kann.

 

Was mir dabei klar geworden ist

Während dieser Gespräche wurde mir etwas sehr Wichtiges bewusst.

Mein eigentliches Anliegen ist größer als die Frage, ob ein Workshop ausschließlich für Frauen oder für alle geöffnet ist.

Mein Wertekompass ist heute klarer denn je.

Ich glaube an Gerechtigkeit.

Ich glaube an Freiheit.

Ich glaube, das Selbstwirksamkeit tatsächlich Zuversicht und Hoffnung stärken kann, die gerade bei so vielen Menschen angeschlagen ist.

Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht respektvoll miteinander umgehen, Verantwortung übernehmen und die gleichen Möglichkeiten haben, sich zu entwickeln.

Deshalb liegt es mir besonders am Herzen, Frauen zu stärken. Ich bin überzeugt, dass Frauen in vielen Bereichen noch immer strukturelle Hürden erleben und dass handwerkliche Kompetenzen ein wichtiger Baustein für mehr Selbstvertrauen und Unabhängigkeit sein können.

Frauen zu stärken bleibt deshalb ein wichtiger Teil meiner Arbeit.


Daher möchte ich meine Workshops in Zukunft wieder öffnen, oder anders gesagt: niemanden vor der Türe stehen lassen und ausschließen. Im Gegenteil.

Nach vielen Überlegungen bin ich zu dem Schluss gekommen:

Alle Workshops, die nicht ausdrücklich als Frauen-Workshop gekennzeichnet sind, stehen künftig wieder allen Menschen offen.

Nicht, weil ich meine bisherigen Erfahrungen vergessen hätte.

Nicht, weil ich alles einfach so über den Haufen geschmissen hätte.

Sondern weil ich überzeugt bin, dass eine gemeinsame Haltung wichtiger ist als das Geschlecht der Teilnehmenden.

Jeder der lernen möchte, jeder der respektvoll mit seinen Mitmenschen umgeht ist im Werkloft Ruhr herzlich willkommen!

 

Unsere Werte und Leitkultur

Damit alle Menschen in einer angenehmen Atmosphäre lernen können, gibt es im Werkloft Ruhr jetzt eine gemeinsame Leitkultur.

Mit Leitkultur meine ich keine politische oder gesellschaftliche Forderung. Ich meine die gemeinsamen Werte und die Kultur des Miteinanders, die wir in unseren Workshops leben möchten.

#Respekt – Wir begegnen allen Menschen wertschätzend und auf Augenhöhe.

#Sicherheit – Fragen, Fehler und Unsicherheiten gehören zum Lernen dazu. Niemand muss Angst haben, etwas noch nicht zu können.

#Lernkultur – Wir lernen miteinander, nicht gegeneinander. Es geht um gemeinsames Lernen, nicht um Wettbewerb oder Selbstdarstellung.

#RaumFürAlle – Jede Person bekommt Zeit, Aufmerksamkeit und Raum zum Lernen.

#Kursleitung – Die fachliche Leitung des Workshops liegt bei mir. Eigene Erfahrungen sind willkommen, solange sie den gemeinsamen Lernprozess unterstützen.

#Miteinander – Wir teilen Wissen respektvoll, ohne andere zu belehren oder zu dominieren.

#Achtsamkeit – Wir behandeln Menschen, Werkzeuge, Maschinen und Materialien sorgfältig und respektvoll.

#HumorMitRespekt – Humor ist willkommen. Abwertende, diskriminierende oder sexistische Kommentare gehören nicht in diesen Lernraum.

#Verantwortung – Alle tragen gemeinsam zu einer offenen, unterstützenden und angenehmen Atmosphäre bei.

#Willkommen – Meine Workshops stehen allen Menschen offen, die diese Leitkultur teilen.

Ich bin überzeugt, dass ein guter Lernraum nicht dadurch entsteht, wer teilnimmt, sondern dadurch, wie wir gemeinsam diesen Lernraum menschlich gestalten und nutzen.


Frauen-Workshops bleiben ein wichtiger Bestandteil, weil es manchmal eben doch Frauenthemen und Männerthemen gibt, andere Witze, andere Bedürfnisse, einfach mehr Ruhe sich zu zeigen.

Ich weiß aus vielen Gesprächen, dass sich manche Frauen genau diesen geschützten Rahmen wünschen, um ohne Leistungsdruck oder Hemmungen handwerkliche Fähigkeiten zu erlernen.

Diesen Wunsch nehme ich ernst. Daher wird es im WERKLOFT RUHR weiterhin Workshops geben, die sich ausschließlich an Frauen richten. Diese Termine werden entsprechend gekennzeichnet.

Deshalb werde ich in den kommenden Wochen weitere Frauen-Workshops planen und gleichzeitig mit Teilnehmerinnen und Interessentinnen im Gespräch bleiben, um herauszufinden, welche Angebote tatsächlich gebraucht werden.

 

Eine bewusste Entscheidung

Diese Entscheidung ist kein Zurückrudern.

Sie ist eine Weiterentwicklung.

Sie ist das Ergebnis vieler Gespräche, vieler Gedanken und einer intensiven Auseinandersetzung mit meinen eigenen Werten.

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